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Moorspaziergang - Deutschland entdecken

Lust auf ein neues und ausgefallenes Abenteuer? Wie wäre es mit einem Spaziergang durchs Moor und das auf gut Glück ohne zu versinken! ;) Genau das ist tatsächlich bei uns in Deutschland möglich! Ich hoffe jetzt nicht, dass du an all die Science Fiction Filme oder Herr der Ringe Episoden denkst, in denen es stinkt, blubbert oder Leichen zum Vorschein kommen. Da muss ich dich enttäuschen oder besser gesagt, kann ich dich beruhigen, das kommt nicht vor! wenn du dich jetzt fragst, Moor? Wie kommt man denn darauf? Dann kann ich dir sagen, dass mich mal wieder die Abenteuerlust gepackt hat und ich für ein paar Stunden raus aus der Großstadt wollte. Dieses Jahr, also 2020, ist alles ein wenig anders. Wie du weißt, war es diesen Sommer schwer, weit entfernte Orte zu bereisen oder andere Kulturen kennenzulernen. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, Deutschland und vor allem Sachsen (das Bundesland in dem ich aktuell wohne) näher kennenzulernen! Ich habe mein VVO-Ferienticket (Ticket mit dem man in 21 Tarifzonen innerhalb Sachsens kostenlos mit Bus- & Bahn in der Ferienzeit fahren konnte) geschnappt, auf der Karte geguckt bis wohin ich düsen kann und ab ging´s!

Es war Samstag, die Sonne schien und gegen 10 Uhr rollte der Bus vom Hauptbahnhof in Dresden für knapp 1:15 Stunden in Richtung Altenberg zur Haltestelle "Zum Lugstein, Zinnwald-Georgenfeld". In Zinnwald-Georgenfeld befindet sich das mysteriöse, nicht blubbernde Moor! Es liegt im Osten von Deutschland, an der Grenze zu Tschechien. 4 Kilometer entfernt befindet sich Altenberg, eine Stadt die als Skigebiet und Kurort bekannt ist. Je weiter es in die Region von Altenberg und Zinnwald-Georgenfeld ging, wurde nicht nur das Wetter schlechter, sondern mir auch bewusst, dass sich das Moor wenige Meter von der tschechischen Grenze entfernt befindet. Ab und an habe ich eine SMS erhalten "Willkommen in CZ", je nach dem auf welcher Koordinate ich mich grad befand. An der Haltestelle angekommen, ging es für knapp 10 Minuten bei leichtem Regen (zum Glück war es der einzige Schauer an diesem Tag) den „Hochmoorweg“ entlang, bis ich am Eingang vom Georgenfelder-Hochmoor angekommen bin! Am Eingang ist eine Eintrittsgebühr von 3,00 € (Stand 08/2020) fällig. Bei Bedarf kann sich noch eine kleine Stärkung in Form von Eis gekauft werden.

Für mich ging es nicht direkt ins Moor, sondern erstmal dran vorbei. Ich wollte vorab noch ein wenig die Umgebung erkunden. Durch einen kleinen Trampelpfad, vorbei an unzähligen Blaubeeren bin ich zufälligerweise am Berg „Großer Lugenstein“ herausgekommen. Den Großen Lugenstein habe ich bei meiner kleinen Recherche gar nicht auf dem Schirm gehabt, sodass ich ziemlich begeistert war, als ich diesen Felsen entdeckt habe. Der Felsen war umschlossen von unmengen an Blaubeeren. Hier ist eine kleine Kindheitserinnerung in mir hoch gekommen. Ich stand mitten im Paradies. Im Blaubeerparadies! Wenn du Blaubeeren liebst, solltest du dir auf jeeeeden Fall eine Dose mitbringen und Blaubeeren pflücken. Ich hab einfach so zwischendurch welche genascht (sollte man nicht tun, erst abwaschen, dann verzehren ;p ). Natürlich konnte ich es mir auch nicht nehmen, die Aussicht von oben zu genießen. Wieder wurde ich Sprachlos, der Blick war gigantisch, teilweise etwas magisch und ringsherum Natur pur! Es war keine Menschenseele weit und breit, stille und nur der eigene Atem. Diesen Blick, die Ruhe und den Moment musste ich einfach genießen, natürlich in Form eines Picknicks! Also wurde die Decke ausgebreitet, die Snacks aus dem Rucksack geholt und die #View genossen! Achtung, den Auf- & Abstieg des Großen Lugensteins sollte man nicht unterschätzen, nicht ohne Grund gibt es paar Meter vor dem Felsen ein Warn- / Informationsschild (nett ausgedrückt ;) ). So wie ich bin, musste ich mir ein kleines Andenken in Form einer Verletzung mitnehmen. Ich bin auf einen lockeren Stein getreten und anschließend umgeknickt.. Es war alles halb so wild, aber dennoch: bitte sei vorsichtig!!

Wieder unten angekommen musste ich noch die ein oder andere Blaubeere naschen, bevor es auf ins Georgenfelder Hochmoor ging! Auf dem Weg Richtung Moor sind mir nun die ersten Leute in Richtung Großer Lugenstein entgegengekommen und ein paar Stimmen hallten aus dem Moor und vor dem Eingang. Das Gute im Georgenfelder Moor ist es, das man auf einem schmalen Holzpfad unterwegs ist und somit nicht vom Weg abkommt! Der Moorpfad ist toll gemacht, es ist ein kleiner und schmaler Holzsteg, auf dem du ca. 35 Minuten unterwegs bist. Lässt du dir viel Zeit, widmest dich jeder Infotafel und schaust dir jede Pflanze haargenau an, kannst du hier auch locker 1 – 2 Stunden verbringen. Überall gibt es ausführliche und spannende Informationstafeln über die Gräser- und Pflanzenwelt, die es innerhalb des Moors zu entdecken gibt. Aufgrund des schmalen Weges ist es manchmal nicht so leicht, die Leute zu überholen! Das gute an der Sache, es gibt nur eine Richtung, d.h. dir können keine Leute entgegenkommen. Ab und an hatte ich mal jemanden vor mir, der sich sehr viel Zeit gelassen hat, hier passt man einen guten Moment zum „überholen“ ab oder lässt sich selbst ein wenig mehr Zeit und genießt den Moment. Ein kleines Highlight gibt es in der Mitte und kurz vor dem Ende des Pfades, aber davon kannst du dir ja selbst mal ein Bild machen. Am Ausgang wurde ich von ein paar wunderschönen Schmetterlingen auf einer angelegten Blumenwiese empfangen – traumhaft! Weiter ging es zu Fuß in Richtung Altenberg, mitten durch die Wälder, durch hohes Gras, Spinnweben, vorbei an einer Kröte, einer Blindschleiche und viiielen weiteren kleinen Lebewesen. Nach einer knappen Stunde war das Ziel in Sicht. Nach dem ich am Rodelberg angekommen bin, ging es direkt runter zum Bahnhof. Der Bahnhof ist keine 5 Minuten vom Rodelberg und Skihang entfernt. Wie du siehst, ist es auch hier wieder praktisch mit dem Zug zu reisen. Vor allem für Wintersportler, die einen Tagesausflug machen wollen, aber auch für alle anderen, die „nur“ Wandern, Fahrrad fahren oder die Umgebung genießen möchten. Wenn du weder Ski, noch Rad fahren möchtest, gibt es die Möglichkeit, eine Runde mit der Sommerrodelbahn zu fahren oder im Winter den Männern und Frauen beim Skeleton, Rennrodeln und Bob fahren zuzusehen! Jährlich finden hier Meisterschaften und Weltcups statt, bei denen Zuschauer gern gesehen sind.

Wenn dich der Hunger urplötzlich überraschen sollte, findest du entweder direkt oben auf dem Rodelberg die „Rodelklause“ (Restaurant), am unteren Teil des Berges ein kleines Café „Buntes Häusel“ mit Kaffee, Kuchen und Eis oder du begibst dich in die Innenstadt von Altenberg. In der Innenstadt gibt es dann wie gewohnt ein paar kleine Restaurants, Cafés und Bäckereien. Mit dem „Rodelmenü“ bestehend aus Pommes und Nuggets, welches es in der Rodelklause gibt, ersparst du dir sogar die Fahrtkosten für die Sommerrodelbahn, denn die Fahrt gibt’s anschließend on top. Verhungern oder verdursten wirst du somit auf jeden Fall nicht, ansonsten nimmst du dir einfach wie ich, ein paar leckere Snacks und eine Flasche Wasser mit auf den Weg. Zurück nach Dresden ging es für mich mit dem Zug. Die Fahrzeit beträgt etwas mehr als eine Stunde. Selbst die Rückfahrt mit dem Zug hat sich voll und ganz gelohnt, u.a. gibt es einen Halt in Glashütte (Stadt, in der hochpreisige Armbanduhren hergestellt werden) und einigen anderen kleinen Ortschaften, die umgeben von der Natur und kleinen Bächen sind.

Der ganze Raum rund um Altenberg ist definitiv und immer wieder eine Reise wert! Hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Also, bist du bereit für dein nächstes Abenteuer? Ich wüsste nicht, was dich jetzt noch davon abhält! Egal ob Sommer oder Winter, zu jeder Jahreszeit lohnt sich ein Besuch ins Ostererzgebirge.

Schreib mir gern, ob du Lust auf ein Abenteuer ins Moor hast oder du eventuell schon mal da warst? Gern kannst du auch deine Geheimtipps und noch unbekannte Orte innerhalb Deutschlands mit mir teilen. Über ein Feedback von dir als Kommentar oder über Instagram @Passportjungle freue ich mich ebenfalls.


Viel Spaß bei deinem nächsten Abenteuer im Moor.


PS: Immer schön an die vorgegebenen Wege halten. Moore sind nicht nur wahre Klimaschützer, sie tragen auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Sie sind die Heimat vieler seltener Tiere und Pflanzen und dienen zum Hoch- & Grundwasserschutz. Moore speichern weltweit etwa doppelt so viel CO2 wie alle Wälder zusammen! (Quelle: bund.net)


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